DIGITAL TUESDAY

Digitalisierung in der Automobilindustrie – Herausforderung, neue Geschäftsmodelle, Produktentwicklungen und Veränderungsprozesse – Dr. Nils Horch – Porsche Consulting GmbH

Am 07.01.20 eröffnete Dr. Nils Horch das neue Jahr der Vortragsreihe “Digital Tuesday” für die Studierenden. Dr. Nils Horch bringt durch die Vielzahl an Projekten und seine aktuelle Tätigkeit bei der Porsche Consulting GmbH viel Erfahrung und eine breite Fachkompetenz mit sich. Als Kernthema des Vortrags zum Themenbereich Digitalisierung wählte er dabei das Projekt Taycan, welches die Entwicklung des ersten vollelektrischen Sportwagens aus dem Hause Porsche beschreibt.

Zu Beginn gab Dr. Nils Horch einen kurzen Einblick in die Entwicklung der Fahrzeuge über mehrere Jahrzehnte. Dabei machte er vor allem die Entwicklung der Schwerpunkte deutlich. Wo früher noch die Hardware des Fahrzeugs nahezu alleine für die Leistung zuständig war, spielt heute die Software eine entscheidende Rolle. So kann der erste vollelektrische Sportwagen aus dem Hause Porsche mehr Steuergeräte für sich verbuchen, als eine Boing 737.

Die Entwicklung des ersten vollelektrischen Sportwagens war für das Unternehmen, wie Dr. Nils Horch berichtet, eine sehr große Herausforderung und brachte viele Probleme mit sich. Eine große Herausforderung stellte dabei die immer zunehmende Vernetzung dar, welche auch großen Einfluss auf die Entwicklung hat. Selbst Funktionen wie die Start-Stopp Automatik, die für den Endverbraucher letztendlich sehr simpel erscheinen, erforderten in der Entwicklung die Zusammenarbeit von 10 Abteilungen.

Das Projekt Taycan scheint insgesamt eine Reise mit vielen Höhen und Tiefen gewesen zu sein. Ausschlaggebend für den Erfolg des Projektes waren laut Dr. Nils Horch unter Anderem agile Vorgehensmethoden. Diese waren besonders wichtig, da es sich hierbei um ein, in dieser Form, noch nie dagewesenes Projekt mit vielen Unbekannten handelt. Hier mussten wöchentlich wichtige Entscheidungen getroffen und auf neue Geschehnisse reagiert werden. Ein weiteres sehr wichtiges Kriterium war die volle Unterstützung durch das Top-Management. So war auch Porsche CEO Oliver Blume meist zweimal wöchentlich bei den Besprechungen vor Ort um sich ein Bild vom Entwicklungsprozess zu machen und den Weg der Entwicklung durch wichtige Entscheidungen zu beeinflussen. Eine weitere Maßnahme war es, die Mitarbeiter von Dienstleistungs- und Zulieferunternehmen möglichst nah am Geschehen zu haben. Das schaffte kürzere Wege und mehr Flexibilität innerhalb des Projekts. Deshalb wurden diese Mitarbeiter an den Standort Weissach verlagert. Da der Erfolg eines solch großen und innovativen Projekts von sehr vielen Bereichen abhängt war der Druck auf die Mitarbeiter oft sehr groß, wodurch in kritischen Zeitpunkten auch Wochenendarbeit angesagt war, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen.

Anhand der zahlreichen Fragen und Diskussionen im Anschluss des Vortrags konnte man die Begeisterung der Studierenden und Interessierten an diesem Projekt erkennen. Durch die offenen, ehrlichen und durchaus auch kritischen Worte von Dr. Nils Horch brachte er dem Publikum das Projekt in einer sehr authentischen und interessanten Art und Weise näher.

 

Autor: Sedrik Cirzel