Mehr Wert schaffen

Ein Freudentag für die Logistik

13. Logistik-Praxisseminar: Mobilität und Logistik in der digitalen Welt – Strategien – Innovationen – Herausforderungen

Konstanz, 27. April 2017

– Es gilt das gesprochene Wort

 

Sehr geehrter Herr Haase,

sehr geehrte Frau Grieshaber,

sehr geehrter Herr Grieshaber,

sehr geehrter Herr Reichle,

lieber Markus Stricker,

lieber Herr Zimmermann

geschätzte Kolleginnen und Kollegen,

liebe Studierende und Freunde des Logistik-Praxisseminars

 

für unsere Hochschule und auch für mich ist heute ein Freudentag!

Ich freue mich, dass wir heute unser 13. Logistik-Praxisseminar am Tag der Logistik mit einer Preisverleihung begehen können.

Preise und Preisverleihungen haben aus meiner Sicht mehrere Funktionen. Sie sind zum einen Indikatoren und Instrumente unseres gesellschaftlichen Leistungsverständnisses. Preise sind Auszeichnungen für Menschen mit besonderen Eigenschaften und Kompetenzen.  Preise und Ehrungen sind aus meiner Sicht notwendiger denn je. Denn sie geben in einer zunehmenden Bewertungs- und Rankingskultur bei ständigem Liken und permanentem Benoten die Möglichkeit zur Orientierung und Auszeichnung von besonderen Leistungen.

In der Hochschulpraxis sehen wir uns heute zwei empirischen Phänomen gegenüber, die ich mit dem Begriff Bildungs-Beurteilungs-Dilemma bezeichnen will.

Zum einen nehmen die Studierendenzahlen noch stetig zu. Während Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts 836.000 junge Menschen an unseren Universitäten und Fachhochschulen studiert haben, verzeichnen wir im Wintersemester 2016/2017 fast die gleiche Zahl an Studienanfängern.

Nach Angeben des Statistischen Bundesamtes studierten

  • 1975: insgesamt 836.002 Studierende (553.889 M/282113W) Früheres Bundesgebiet
  • 2015: total: 2.757.799 (1.434126 M/1.323.673 W)
  • Studienanfänger 2016/2017: 860.443 (Uni: 531.508; FH: 297.421)

So erfreulich sich diese Entwicklung im Sinne einer auch in der aktuellen Diskussion wieder sehr gerne postulierten Zielsetzung „Mehr Bildung für Alle“ darstellt, so nachdenkenswerter erscheint es mir, diese Zahlen auch vor dem Hintergrund der Wertschätzung von nicht-akademischen Berufslaufbahnen neu oder anders einzuordnen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich glaube nicht an den von Julian Nida-Rümelin ausgerufenen Akademisierungswahn, aber dennoch sei die Frage erlaubt, warum in Deutschland nahezu jeder Dritte Studierende an Universitäten und fast jeder Fünfte Studierende an Fachhochschulen sein Erststudium abbricht. – So die weniger häufig in der Öffentlichkeit zitierten Analysen beispielsweise des Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)

Und dies nicht etwa, weil sie wie die berühmtesten Studienabbrecher aus dem Silicon Valley Steve Jobs oder Mark Zuckerberg die Welt neu erfinden wollen, sondern weil sie möglicherweise im Vorfeld Ihres Studiums zu wenig auf ein Studium vorbereitet werden oder mit falschen Erwartungen an eine Hochschulausbildung herangehen.

Auf der anderen Seite haben wir es mit einer schleichenden Noteninflation zu tun. So stellte der Wissenschaftsrat bereits im Jahre 2012 eine fortgesetzte Tendenz zur Vergabe besser Note fest. Zitat aus dem Wissenschaftspolitischen Kommentar des Wissenschaftsrates zum Arbeitsbericht Prüfungsnoten an Hochschulen im Prüfungsjahr 2010: „In den universitären Studiengängen mit traditionellen Abschlüssen – Diplom und Magister sowie Staatsexamen ohne Lehramt – ist beispielsweise der Anteil der mit „gut“ oder „sehr gut“ bewerteten Abschlussprüfungen zwischen 2000 und 2011 um knapp neun Prozentpunkte von 67,8 % auf 76,7 % gestiegen.“

Im Rahmen einer unlängst erschienen Studie „Noten an Deutschlands Hochschulen“ konnten die beiden Kollegen Gerd Grözinger, Bildungsökonom und Volker Müller-Benedict, Hochschullehrer für Forschungsmethoden ebenfalls nachweisen, dass die Examensnoten seit den 70er-Jahren immer besser geworden sind und appellieren an ein Umdenken bei der Notengebung.

Die Währung „Note“ leidet nicht nur an den höheren Erwartungen der Studierenden aufgrund der ebenfalls besser werdenden Abiturnoten. Sie leidet auch an mangelnder Vergleichbarkeit und Transparenz innerhalb von Hochschularten, Studiengängen und Fächerkulturen. Während bei Juristen seit jeher ein Kampf um die beste „Vier“ zu beobachten ist, gibt es Fächer in denen „sehr gut“ die häufigste Note ist. Dabei lautet die Kernfrage aus meiner Sicht: Was kann eine Note als solches oder eine Gesamtnote 1,0 am Ende des Tages überhaupt repräsentieren?

Wie sagte Albert Einstein so trefflich „Der Wert der Leistung liegt im Geleisteten.“ In diesem Sinne bieten Preise durchaus die Möglichkeit besondere Fähigkeiten und Kompetenzen auf eine Art und Weise zu würdigen, die sich nicht nur in Kommastellen und Rankings widerspiegelt, sondern in der Persönlichkeit der Preisträgerinnen und Preisträger, da sie vor allem den Menschen als Ganzes auszeichnen.

Preise sind zum zweiten Ausdruck von Wertschätzung seitens der Preisstifter. Liebe Frau Grieshaber, lieber Herr Grieshaber, wir schätzen es sehr, dass Sie die Patenschaft für einen Preis für herausragende Abschlussarbeiten übernommen haben. Sie bringen damit nicht nur ihre ganz besondere Verbundenheit mit Ihrer Hochschule zum Ausdruck, sondern erweisen uns auch die Ehre, Ihren beruflichen und persönlichen Lebensweg zum Vorbild zu nehmen. Denn wer kann schon wie Sie mit dem Erreichten, etwas zurückgeben, was andere noch zu erreichen anstreben.

Liebe Frau Grieshaber, lieber Herr Grieshaber, ich freue mich, dass Sie heute da sind und wünsche, dass der Gabriele und Heinrich Grieshaber-Preis Logistik und Unternehmensführung viele würdige Preisträgerinnen und Preisträger hervorbringt.

Preise bieten drittens die Möglichkeit, Themen und Fragestellungen zur Diskussion zu stellen, die es wert sind, Aufmerksamkeit zu erwecken. Fragen der Logistik und Unternehmensführung gewinnen gerade im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung eine herausragende Bedeutung. Sie sind es wert, aus der Perspektive der Aufmerksamkeitsökonomie sowohl aus wissenschaftlicher Sicht aber vor allem in der Unternehmenspraxis genauer betrachtet zu werden.

Ich möchte nur auf die Entwicklung von Amazon verweisen. Von Jeff Bezos im Jahre 1994 gegründet, gilt Amazon als Weltmarktführer im Online-Handel und Pionier des digitalen Unternehmerturms. Kaum jemand ist nicht Kunde von Amazon. Und wer Kunde von Amazon ist, weiß was Kundenservice und Logistikperformance bedeuten kann. Aber Amazon ist mehr als nur ein Online-Händler. Amazon verfügt mittlerweile über eigene Luftfrachtkapazitäten, experimentiert mit Drohnenanlieferungen, bringt Künstliche Intelligenz ins Wohnzimmer, revolutioniert den Lebensmitteleinzelhandel und ist einer der weltweit größten Anbieter von Cloud Computing-Services.

Vor diesem Hintergrund freue ich mich, dass wir heute zwei Referenten bei uns haben, die in ihrer Branche ebenfalls zu den Weltmarktführern gehören, und ihre Sicht der digitalen Zukunft zur Diskussion stellen.

A.T. Kearney zählt zu den führenden Topmanagement Beratungen und hat sich um die Entwicklung der Logistik in Deutschland und Europa verdient gemacht. Die von Manfred Türks in den 90er Jahren initiierten Studien zur Produktivität und Qualität in der Logistik waren Gradmesser für die Entwicklung der Logistik und finden heute ihre Fortsetzung in den European Excellence Studien im Supply Chain Management. Die Auszeichnung „Fabrik des Jahres“, die in diesen Tagen ihr 25. Bestehen gefeiert hat, zählt zu den härtesten Wettbewerben im Operations Management weltweit.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, begrüßen Sie mit mir und einem herzlichen Applaus Markus Stricker, Managing Director von A.T. Kearney Schweiz der heute aus Zürich zu uns gekommen ist.

Im weltweiten Wettbewerb bestehen muss auch Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics (SPPAL). Mit über 50 Jahren Erfahrung zählt Siemens SSPAL zu den führenden Systemanbietern von Sortiertechnik und Logistiklösungen in den Bereichen Brief, Paket, Gepäck und Luftfracht. Vor allem Siemens in Konstanz hat unmittelbar erlebt, was es bedeutet, wenn einem die Geschäftsgrundlage durch Digitalisierung erodiert und ein Unternehmen sich neu aufstellen kann.

Herzlichen Willkommen und einen begrüßenden Applaus für Michael Reichle, CEO und Präsident Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics (SPPAL). Ich freue mich sehr, dass Sie heute bei uns sind.

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