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Gabriele und Heinrich Grieshaber-Preis Logistik und Unternehmensführung 2.0

Die Preisstifter Gabriele und Heinrich Grieshaber gemeinsam mit den Preisträgern Philipp von Hebel und Milan Scheel

Laudatio anlässlich der Verleihung des „Gabriele und Heinrich Grieshaber Preises Logistik und Unternehmensführung“am 1. Dezember 2018


– Es gilt das gesprochene Wort –

Liebe Frau Grieshaber, lieber Herr Grieshaber

werte Weihnachtsfeierfestgemeinde

lieber Philipp von Hebel, 

lieber Milan Scheel,

es ist für mich eine große Freude heute bei Ihnen sein zu dürfen und an der Verleihung des Gabriele und Heinrich Grieshaber Preises mitzuwirken. 

Die Ehrung findet zum zweiten Mal statt und zeichnet herausragende Abschlussarbeiten an der heutigen Hochschule und ehemaligen Fachhochschule Konstanz auf dem Gebiet der Logistik und Unternehmensführung aus.

Soweit ich das Format einer Laudatio richtig verstanden habe, geht es dabei vor allem um das Lob der auszuzeichnenden Personen. Daher ist es absolut unabdingbar, dass die betreffenden Preisträger an prominenter Stelle vorkommen und dass das Reden über Sie einen Großteil der Laudatio ausmacht.

Ich muss daher sofort um Entschuldigung bitten, wenn es den Anschein hat, als würde ich mit etwas Allgemeinerem beginnen. Doch das ist mir wichtig, denn mit unsren beiden Preisträgern werden meines Erachtens nicht nur herausragende Leistungen herausgehoben, sondern darüber hinaus eine Lebenshaltung, die uns allen gut steht. Ich spreche hier von Mutmacherinnen und Mutmachern sowie der sinnstiftenden Kraft von Mut in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. 

Aber was ist eigentlich Mut? Und was zeichnet Mutmacher wie Phillip von Hebel und Milan Scheel ganz besonders aus?

Schon die vielzitierten Philosophen erkannten die Bedeutung von Tapferkeit und Mut. Platon bezeichnete Mut als eine der Grundtugenden des Menschen. Für Demokrit stand „Mut am Anfang des Handels, Glück am Ende“. Und von Seneca stammt der ermutigende Satz: „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“

Heute wird Mut oftmals mit Zivilcourage gleichgesetzt. Als couragiert gelten Frauen und Männer, die mit aufrechtem Gang Rückgrat zeigen, zu sich und ihrer Wahrheit stehen, selbstsicher im Auftreten sind und sich nicht verbiegen lassen. Couragierte Menschen setzen Zeichen und ermutigen andere, es ihnen gleichzutun. 

Aber dennoch sei die Frage erlaubt: Wann haben Sie das letzte Mal in Ihrem persönlichen Umfeld einen Menschen getroffen, von dem Sie dachten: Chapeau, der oder die ist aber wirklich mutig? Oder ist es mancherorts nicht immer noch so, wie es Hoffmann von Fallersleben in Versreimen ausgedrückt hat: 

„Willst du was werden, musst du schweigen. 

Muss dich zur Erden tief verneigen. 

Dass du ein Knecht bist, hat man gerne. 

Allem was recht ist, halt dich ferne. 

Lerne den Willen unserer Lenker. 

Und auch im Stillen sei kein Denker.“

Nach mehr als 175 Jahren beobachten wir, dass in immer mehr Unternehmen und Organisationen die Erkenntnis wächst, dass der Preis für Mutlosigkeit, Unmut und Übermut hoch sein kann. 

Um den Wandel zu einer wirksamen Mutkultur zu meistern, brauchen es jedoch weder Superhelden noch Bravehearts. Was wir brauchen, sind Ermutiger, die Optimismus vorleben gegen die Heilslehren der Skeptiker.  Vorbilder gegen Angstmacher und Apokalyptiker. 

Mutmacher wie Phillip von Hebel und Milan Scheel. 

Philip von Hebel hat sich im Rahmen seiner Bachelor Thesis mit einer Fragestellung auseinandergesetzt, die auch uns Logistiker in den nächsten Jahren intensiver beschäftigen wird. Seine Thesis, die er in Zusammenarbeit mit einem Weltmarktführer für Logistik erarbeitet hat lautet: „Potentialanalyse der Blockchain-Technologie zur Anwendung als neue Bezahlmethode des Portos“

Auf die Frage, wann er zum ersten Mal richtig mutig gewesen ist, antwortete er:

Mit 18 Jahren, direkt nach dem Abitur, für ein Praktikum nach Shanghai zu gehen. Für mich war es damals mutig alleine in eine fremde Kultur einzutauchen und sich selbst zu organisieren. Nebenbei auch noch das erste Mal in ein Großunternehmen zu arbeiten.

Liebe Weihnachtsfeierfestgemeinde, im Unterschied zur Angst ist Mut erlernbar und das Leben belohnt Mut meistens mehr als Übermut. Gerade in einer Welt der zunehmenden Komplexität und fortschreitenden Digitalisierung wird Mut zur faktenorientierten Wahrheit und Wissen zum Wettbewerbsfaktor. 

Milan Scheel hat dies im Rahmen seiner Master Thesis näher untersucht. Mit dem Titel „Prozessorientiertes Wissensmanagement: Implementierung einer Kollaborationssoftware“zeigt er auf, welche Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen durch ein umfassendes Wissensmanagement speziell im Kontext eines global agierenden Automobilkonzerns erschlossen werden können.

Auf die Frage, wann er das erste Mal richtig mutig gewesen ist hat er seine Entscheidung zum Studium als eine Antwort gegeben. Ich zitiere wörtlich: Da keiner aus meiner Familie oder meinem damaligen Umfeld studiert hatte, lag die Entscheidung zu Beginn nicht nahe. Nachdem kurzfristig eine berufliche Option nicht mehr gegeben war, entschloss ich mich den Studienversuch zu wagen. Mit großer Freude entschied ich mich nach dem Bachelor für einen Masterstudiengang.